Sachsen-Anhalt
Prozess um Feuertod von Afrikaner beginnt am Dienstag
Kirche mahnt zur Gewaltlosigkeit – Auseinandersetzungen befürchtet
Oury Jallow verbrannte in dieser Polizeizelle in Dessau. (Foto: MZ-Archi |
Dessau/dpa. Die Kirche hat im Vorfeld des mit Spannung erwarteten Dessauer Prozesses um den Feuertod des Asylbewerbers Oury Jalloh aus Sierra Leone eindringlich zu Gewaltlosigkeit aufgerufen. Hintergrund sind Befürchtungen in der Stadt, dass es am Rande des Verfahrens zu Auseinandersetzungen zwischen Gruppierungen kommen könnte. «Wir lehnen Gewalt im Streit der Meinungen ab und rufen dazu auf, die Freiheit der Rechtsprechung zu akzeptiere», sagte der Präsident der Evangelischen Landeskirche Anhalts, Helge Klassohn, am Freitag. Vor dem Landgericht müssen sich von Dienstag an zwei Polizisten wegen Körperverletzung mit Todesfolge sowie fahrlässiger Tötung verantworten. Nach Angaben der Polizei ist bislang eine Demonstration angemeldet worden.
Der Asylbewerber war Anfang Januar 2005 in Dessau festgenommen worden, weil er in alkoholisiertem Zustand Frauen belästigt und Widerstand gegen Polizisten geleistet haben soll. Obwohl er an Händen und Füßen gefesselt war, soll er laut den Ermittlungen mit einem Feuerzeug gezündelt und in einer Polizeizelle einen Brand ausgelöst haben. Gutachter kamen zu dem Schluss, dass der junge Mann noch leben könnte, wenn ihm nach dem Ausbruch des Brandes geholfen worden wäre. Die Mutter des Opfers tritt in dem Prozess, der bis April dauert, als Nebenklägerin auf.
Nach Angaben der Stadt Dessau wird sie am Montagnachmittag vom amtierenden Oberbürgermeister Karl Gröger (SPD) empfangen, um ihr die persönliche Anteilnahme für den Verlust des Sohnes auszudrücken. Unterdessen forderten die Internationale Liga für Menschenrechte (Berlin) und die Förderverein Pro Asyl (Frankfurt/Main), den tragischen Verbrennungstod des Mannes vor zwei Jahren rückhaltlos aufzuklären.
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