»Wir erwarten Aufklärung im Fall Oury Jalloh«
Vor zwei Jahren starb Flüchtling in Dessauer Polizeizelle. Verhandlung gegen Beamten vermutlich im März. Ein Gespräch mit Ulrich von Klinggräff
Rechtsanwalt Ulrich von Klinggräff nimmt als Nebenklagevertreter gemeinsam mit Regina Götz die Rechte der Eltern Oury Jallohs wahr

Am Sonntag jährt sich der Todestag Oury Jallohs zum zweiten Mal. Der Flüchtling aus Sierrra Leone verbrannte am 7. Januar 2005 in einer Dessauer Polizeizelle. Gibt es Hoffnung, daß die Umstände seines Todes noch aufgeklärt werden?
Ja, und zwar eine stärkere als zuvor. Nach beinahe zwei Jahren ist endlich die Anklageschrift vom Landgericht Dessau zugelassen worden. Das heißt, es wird zu einer Hauptverhandlung kommen. Angeklagt ist der Dienststellenleiter der Polizeiwache in Dessau. Wir erwarten also durchaus eine weitergehende Aufklärung.
Was wird dem Polizeibeamten konkret vorgeworfen?
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06.01.2007 / Inland / Seite 5
Todesursache kein Thema
Zwei Jahre nachdem Oury Jalloh unter mysteriösen Umständen in einer Polizeiwache in Dessau starb, wird der Fall nun vor dem Landgericht verhandelt
Von Kathrin Hedtke
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Dieses Video der Demo in Berlin hab ich gerade im Netz gefunden. Anschauen …
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die story: Tod in der Zelle
Warum starb Oury Jalloh?
Ein Film von
Marcel Kolvenbach und Pagonis Pagonakis
Redaktion: Sonia Mikich
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Dessau, ein kalter Morgen im Januar. Ein Mensch, offensichtlich unter Alkohol, wird von der Polizei aufgegriffen, in eine Zelle gesperrt und mit Handschellen an Händen und Füßen gefesselt, „fixiert“, wie es im Polizeijargon heißt. Er wird durchsucht, ihm wird Blut entnommen. Gegen Mittag schlägt der Rauchmelder in der Zelle zweimal Alarm. Hilferufe durch eine Gegensprechanlage werden ignoriert. Oury Jalloh, ein Asylbewerber aus Westafrika, stirbt im Polizeigewahrsam. Offizielle Todesursache: Tod durch Hitzeschock, keine Fremdeinwirkung. Das Opfer habe die Matratze in der Zelle mit einem Feuerzeug angezündet, dann selbst Feuer gefangen und sei verbrannt. Schon bald kommen Zweifel an der offiziellen Version des Tathergangs auf. „die story: Tod in der Zelle“ rekonstruiert den Fall, prüft die offizielle Version der Selbsttötung. Ein Jahr lang haben die Autoren Marcel Kolvenbach und Pagonis Pagonakis Fakten, Obduktionsberichte und Ermittlungsunterlagen recherchiert, mit Zeugen gesprochen und beobachtet, wie man in Dessau mit dem Tod Oury Jallohs umgeht. Sie haben die Familie in Westafrika aufgesucht: Dort ist Oury Jalloh nur knapp dem grausamen Bürgerkrieg in Sierra Leone entkommen. Dass er ausgerechnet in einer Polizeizelle in Deutschland verbrannt ist, kann die Familie nicht fassen.
„Oury ist dreimal gestorben“, sagt ein Freund: „Im Bürgerkrieg in Sierra Leone starb seine Vergangenheit, im Asylbewerberheim in Rosslau bei Dessau starb seine Zukunft und in der Zelle kam er ums Leben.“ Weitere Informationen zur Sendung:Wiederholung des Beitrags im WDR Fernsehen am 20.02.2006 um 22.30 Uhr
Ein kostenloses Manuskript ist erhältlich:
als pdf-Datei über E-mail:inland@wdr.de
oder als Postversand:
WDR-Fernsehen, Redaktion „die story“, 50600 Köln
Einen Mitschnitt können Sie über folgende E-Mail Adresse anfordern: mitschnittservice@wdr.de
http://www.wdr.de/tv/dokumentation/todinderzelle.html |
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Dessauer Polizist steht wegen Tod eines Asylbewerbers vor Gericht
Dessau. Rund zwei Jahre nach dem qualvollen Feuertod des afrikanischen Asylbewerbers Oury Jallow in einer Polizeizelle in Dessau muss sich ein Polizist wegen Körperverletzung mit Todesfolge vor Gericht verantworten. Das Landgericht Dessau ließ die Anklage gegen den 46-jährigen Dienstgruppenleiter am Dienstag zur Hauptverhandlung zu. Die Termine für den Prozess sollen nun mit allen Beteiligten abgestimmt werden, wie ein Sprecher mitteilte. Der 21- Jährige aus Sierra Leone war am 7. Januar 2005 in einer Gewahrsamszelle im Polizeirevier qualvoll verbrannt. Trotz Fesselung soll er die Flammen selbst entfacht haben, indem er mit einem Feuerzeug eine Matratze in Brand setzte. Der angeklagte Polizist soll den daraufhin angesprungenen Rauchmelder ignoriert haben. (mehr…)
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Gedenken an Oury Jalloh
DESSAU epd Mit Demos, Mahnwachen und Kundgebungen haben gestern mehrere hundert Menschen in Berlin und Dessau an den Afrikaner Oury Jalloh erinnert, der vor zwei Jahren bei einem Brand in einer Polizeizelle starb. In Dessau gingen nach Angaben von Polizei und Veranstalter rund 200 Menschen auf die Straße, in Berlin waren es rund 500. In Dessau fand zudem eine Mahnwache an der Friedensglocke statt. Mit Transparenten wie „Kein Vertuschen – kein Vergessen“ forderten die Demonstranten eine lückenlose Aufklärung der Ereignisse, Entschädigung für die Familie des Opfers sowie eine Entschuldigung von Polizei und Stadt für die Vorfälle am 7. Januar 2005.
taz vom 8.1.2007, S. 7, 24 Z. (Agentur)
mehr info http://oury-jalloh.so36.net/
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